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From:  Hans-Georg Bickel <hgbusenetmuell@gmx.de>
Newsgroups:  de.alt.soc.knigge
Subject:  [FAQ]<2006-11-15> Die de.alt.soc.knigge-FAQ
Supersedes:  <kjamjr.7r0.1@ID-108823.user.uni-berlin.de>
Date:  Mon, 15 Apr 2013 16:14:26 +0200
Organization:  Liga zur Bekaempfung ueberfluessiger Headerzeilen
Lines:  614
Message-ID:  <kkh912.qg.1@ID-108823.user.uni-berlin.de>
Reply-To:  bickelhg@gmx.de
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Xref:  news2.ip-mobilphone.net de.alt.soc.knigge:15465


FAQ - Die häufig gestellten Fragen in de.alt.soc.knigge:
========================================================

1. Die Newsgruppe de.alt.soc.knigge

1.1 Charta

de.alt.soc.knigge ist die internationale deutschsprachige
Newsgruppe zum Thema 'Höflichkeit und gutes Benehmen im
wirklichen Leben'. Die Gruppe ist unmoderiert.

Die Charta der Gruppe lautet:

Hier können Themen zu korrekten Umgangsformen in allen Bereichen
des täglichen und nicht alltäglichen menschlichen Zusammenlebens
diskutiert werden. Fragen z.B. zu angemessener Kleidung oder
protokollarisch korrektem Verhalten sind ebenso erwünscht wie
Diskussionen über landesspezifische Benimmregeln.

Nicht erwünscht sind Beiträge, mit denen über ein angebliches
Fehlverhalten in Computernetzen diskutiert werden soll. Hierfür
existieren passendere Gruppen.


1.2 Anmerkungen und Tips für Usenet-Neulinge

1.2.1 Allgemeines

Solltest Du neu im Usenet sein, lies bitte die Texte in
news:de.newusers.infos. Spezielle Fragen zum Usenet kannst Du in
news:de.newusers.questions stellen.

Wenn Du das Programm 'Outlook Express' als Newsreader verwenden
willst, beachte bitte zusätzlich noch http://oe-faq.de (Who's computer is this?)

Hinweise zum sinnvollen Zitieren im Usenet findest Du unter

http://www.afaik.de/usenet/faq/zitieren/ (Who's computer is this?)

Gerade in einer Gruppe, die sich mit Höflichkeit beschäftigt,
sollte es selbstverständlich sein, seinen Postings auch ein
angemessenes Äußeres zu geben.


1.2.2 Was bedeutet 'MUHEN'?

'Meinem Unmaßgeblichem HöflichkeitsEmpfinden Nach'

Es ist eines der auch sonst im Usenet sehr beliebten Akronyme
(http://www.acronymfinder.com (Who's computer is this?) ), das allerdings nur hier in
news:de.alt.soc.knigge verbreitet ist.

Erstmals verwendet wurde es von Michael Dahms in:

MID:<3E353BC1.6CDF3F91@fh-flensburg.de>

Angelehnt ist es an das von Michael Pronay erdachte, fast nur in
der Newsgruppe news:de.etc.sprache.deutsch verwendete,'MUSEN'
('Meinem Unmaßgeblichen SprachEmpfinden Nach').


1.3 Mitwirkende an der FAQ

Hans-Georg Bickel
Chris Kurbjuhn (derzeit nicht aktiv)
Michael Diederich (derzeit nicht aktiv)

Wir sind erreichbar unter: mailto:knigge@md-d.org

Wer Interesse hat, an der Weiterentwicklung der FAQ mitzuwirken
ist hierzu herzlich eingeladen.


1.4 Webpräsenz

http://knigge.md-d.org (Who's computer is this?)

Der Webspace wird dankenswerterweise zur Verfügung gestellt von
Michael Diederich.


2. Einführung in die FAQ

2.1 Allgemeines

Fragen zum Thema Höflichkeit kann man häufig nicht mit 'Ja' oder
'Nein' oder sonst eindeutig beantworten. Immer kommt es dabei auf
die konkrete Situation an und es ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Peter Becker schrieb dazu in <1043913352.291920@nbgm66x>:

|Echte Höflichkeit orientiert sich am Mitmenschen, seiner
|Persönlichkeit, seinem Verhalten und den verbalen und
|nonverbalen Signalen die man von ihm aufnimmt.
|
|Der Rückzug auf starre Regeln ist IMO in der Regel eine Flucht.
|Eine Ablehnung des Menschen, der wirklich hinter der Oberfläche
|des Gegenüber steckt, eine Verweigerung der Mühe, die eine solche
|Höflichkeit kostet, und ein sich Drücken vor der Verantwortung
|für die Fehler, die man dabei auch beim besten Willen machen kann.

Eine FAQ kann daher nur die wichtigsten Grundregeln nennen und
Denkanstöße dazu geben, was in einem bestimmten Fall höflich ist
und was nicht.


2.2 Die Verweise in der FAQ

In der FAQ findet sich an vielen Stellen ein zwischen spitzen
Klammern eingebetteter Zeichensalat, etwa <%&e5§43@abc.invalid>.

Dabei handelt es sich um die sogenannte Message-ID, eine
eindeutige Kennung des erwähnten Artikels, mit der dieser
identifiziert und zum Nachlesen gesucht werden kann.

Viele Artikel aus der Gruppe sind im Newsarchiv von Google

http://groups.google.com (Who's computer is this?)

archiviert. Manche sind jedoch dort nicht zu finden, u.a. weil
Google die Gruppe erst fast ein halbes Jahr nach der Einrichtung
aufgenommen hat.

Solltest Du Google auch zum Posten in diese Gruppe nutzen, so
beherzige bitte die Hinweise für Google-Poster. Du findest sie
unter:

http://www.fh-flensburg.de/wt/usenet/Hinweise_fuer_Google-Poster.txt (Who's computer is this?)


3. Die einzelnen FAQs

3.1 Wer war der Namenspatron unserer Gruppe?

Adolph Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge, geboren am
16.12.1752, studierte Jura und war dann Hofjunker und Assesor der
Kriegs- und Domänenkasse Kassel. Knigge schloß sich dem
Illuminatenorden an und geriet dadurch beim Adel in Verruf. Er
übersetzte einige Schriften von Rousseau und verfasste mehrere
Bücher. Sein bekanntestes ist 'Über den Umgang mit Menschen', das
dazu führte, daß sein Name bis heute noch als Synonym für
Hoeflichkeit und gutes Benehmen gilt.

Es ist im Netz zu finden unter:

http://projekt.gutenberg.de/knigge/umgang/umgang.htm (Who's computer is this?)


3.2 Darf ich Sie duzen?

In dieser Gruppe duzen wir uns, den Gepflogenheiten im
deutschsprachigen Usenet entsprechend, da hier das Siezen von
vielen als unhöflich aufgefaßt wird.

Im wirklichen Leben ist das Thema weit sensibler.

Wird das 'Du' angeboten, so geht die Initiative für gewöhnlich
vom Älteren, Höherstehenden oder Vorgesetzten aus.

Zwischen Mann und Frau geht die Initiative normalerweise von der
Frau aus. Ist der Mann der Ältere oder Höhergestellte, so kann
die Initiative auch von ihm ausgehen, sofern der Alters- oder
Hierarchieunterschied nicht zu groß ist. Das gilt entsprechend,
wenn die Frau einem älteren Mann das 'Du' anbieten will.


Das 'Du' ablehnen:

Dies ist ein sehr sensibler Bereich. Grundsätzlich sollte man das
'Du' nur anbieten, wenn das Gespür einem sagt, daß es auch
angenommen werden wird.

Michael Dahms hat in <b03r4f$l949i$2@ID-65464.news.dfncis.de>
dazu geschrieben:

|Ich habe einmal einem Mitarbeiter auf das Duzen vorbereitet, indem ich
|gefragt habe: "Wollen wir uns gleich Duzen oder uns erst noch besser
|kennenlernen?" Er hat geantwortet: "Erst noch besser kennenlernen." 2
|Jahre später waren wir selbstverständlich per Du.

Analog dazu kann man ein angebotenes Du natürlich auch mit einem
Satz wie 'Mir wäre es lieber, wir bleiben beim Sie, bis wir uns
noch ein bißchen besser kennengelernt haben.' ablehnen, man
sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, daß man sich auf sehr
dünnem Eis bewegt, wenn man ein Du ablehnt. Die Ablehnung kann -
wenn sie nicht mit größtmöglichem Fingerspitzengefühl erfolgt -
sehr leicht als Unhöflichkeit, wenn nicht gar als Beleidigung
aufgefaßt werden."


Das 'Du' wieder entziehen:

Ein einmal angebotenes und auch angenommenes 'Du' wieder zu
entziehen, ist - sofern das 'Du' zuvor ein beiderseitiges
freundschaftliches war - meist eine bewußte gesellschaftliche
Ächtung, die nach außen dokumentiert werden soll. Man kündigt dem
Gegenüber damit nicht nur die Freundschaft, das Entstehen einer
Feindschaft ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, meist
unausweichlich.

Sollte man jedoch 'irgendwie' in ein Duz-Verhältnis geraten sein,
das einem im Nachhinein nicht angemessen erscheint oder
unangenehm ist, so kann man unter Umständen mit dem nötigen
Fingerspitzengefühl aus diesem Duz-Verhältnis wieder
herauskommen. Strittig bleibt der von Bernd Gramlich in
<35fdab.db1.ln@tenuki.de> beschriebene Fall:

|Typischer Fall: Chef bietet Sekretärin bei Betriebsfeier das Du
|an, Sekretärin willigt perplex ein, erträgt das Duzen einen oder
|zwei Arbeitstage lang und bittet dann darum, zum Sie
|zurückzukehren. Wenn das in aller Freundlichkeit geschieht, fällt
|niemandem ein Zacken aus der Krone.

Hans-Georg Bickel meinte dazu in
<bagm5t$sut2l$2@ID-108823.news.dfncis.de>:

|Die Sekretärin hat ein schlechtes Gefühl, weil sie den Chef
|nachträglich doch zurückweist. Der Chef hat ein schlechtes
|Gefühl, weil er entweder sich oder der Sekretärin einen Vorwurf
|macht. Möglicherweise gibt es deswegen Gerede im Betrieb. Das
|Verhältnis zwischen den beiden ist angeknackst. Dem Chef ist ein
|Zacken aus der Krone gefallen.

Einigkeit herrscht hingegen darüber, daß man aus o. g.
Problematik bei Duz-Angeboten (insbesondere solchen am
Arbeitsplatz u.ä.) von vornherein besondere Vorsicht walten
lassen sollte.


3.3. Die Anrede "Fräulein"

Die Anrede "Fräulein" für unverheiratete Damen jedweden Alters
blickt zwar auf eine ca. 800 Jahre alte Tradition zurück, sollte
heutzutage aber nicht mehr verwendet werden. Sehr viele Frauen
fühlen sich durch den in besagtem Wort enthaltenen Diminutiv
diskriminiert: unverheiratete Männer werden schließlich
auch nicht mit "Herrlein" angeredet. Frauen jedweden Alters und
Familienstandes werden heutzutage höflicherweise mit "Frau
Nachname" angesprochen. Wenn jedoch eine Dame Wert auf die Anrede
"Fräulein" legt, sollte man diesem Wunsch selbstverständlich
nachkommen. Gerade am Beispiel der Ablehnung dieser Anrede
bzw. dem Wunsch, so angeredet zu werden, zeigt sich übrigens der
stets situative Charakter von Höflichkeit:

Einerseits schreibt Renata Kussack in
<1fpgll6.1kvgh1o1i28x5uN%r.kussack@snafu.de>:

|ich kenne bzw. kannte ebenfalls so alte Fräuleins ? deren Anliegen
|war übrigens durchaus ein feministisches ? zum Ausdruck zu bringen,
|daß man stets für sich allein gestanden hat -, und nicht etwa die
|Aufschrift 'noch zu haben'.

Andererseits findet sich auf

http://frauensprache.com/ein_plaedoyer.htm (Who's computer is this?)

|Im Laufe der feministischen Bewegung und selbstbewusst durch
|berufliche Tätigkeit wehrten sich unverheiratete Frauen immer häufiger
|und stärker, letztlich auch erfolgreich gegen die Anrede "Fräulein",
|die sie als diskriminierend empfanden, weil sie im Gegensatz zu der
|Anrede für Männer sofort ihren Familienstand enthüllte. Dieser wurde
|an der verheirateten Frau und ihrem sozialen Status gemessen und als
|"unverheiratete, unversorgte Frau", die "keinen Mann abgekriegt hat",
|interpretiert.

Wem es widerstrebt, sehr junge Personen mit 'Herr' oder 'Frau'
anzusprechen, der kann bis zum Alter von etwa 16 Jahren auch den
Kompromiss 'Vorname + Sie' wählen ohne dadurch gleich als
unhöflich zu gelten.


3.4. Wer geht wo?

3.4.1 Wer geht auf welcher Seite?

Grundsätzlich gilt, dass es immer ritterlich und höflich ist,
eine Dame zu beschützen. Daher hat der Mann stets die
"gefährdete" Seite zu wählen, um die Dame vor etwaigem Unbill zu
bewahren. Also geht der Mann auf dem Bürgersteig auf der der
Straße zugewandten Seite (Unfälle, Spritzwasser), in öffentlichen
Gebäuden geht er vor, um die Tür aufhalten zu können.

|Von höchster Wichtigkeit ist dabei, dass die 'eigene' Dame
|uneingeschränkte Priorität gegenüber 'fremden' Damen genießt.
(Uwe Dunder in <bcd7ac$aas$00$1@news.t-online.com>)


3.4.2 Betreten eines Restaurants

Die Frage, ob beim Betreten eines Restaurants die Dame oder der
Herr vorangeht, wurde in der Gruppe schon mehrfach diskutiert.

Nach der klassischen Schule betritt stets der Herr zuerst das
Restaurant, um das 'unbekannte' Terrain zu sondieren und nach
einem geeigneten Platz Ausschau zu halten.

Aber auch diese Regel gilt nicht immer und überall. Michael Dahms
und Martin Halfen haben dazu Wolfgang Siebeck zitiert:

|"Gönnen Sie Ihrer Frau ihren Auftritt!"
(Michael Dahms in <3E817B94.6A2F703@gkss.de>)

Oder anders formuliert:

|Ebenfalls Siebeck zum Theme wer geht zuerst rein?:
|"Ins Restaurant: sie, in die Kneipe: er."
(Martin Halfen in <b5s1l9$2cm094$1@ID-113868.news.dfncis.de>)

Zwei beispielhafte Threads zum Thema:

Message-ID:<b5rt0k$kjj$00$1@news.t-online.com>ff.
Message-ID:<bvemuh$qlp$03$1@news.t-online.com>ff.


3.4.3 Auf der Treppe

Auch bei der Frage, ob die Dame oder der Herr auf einer Treppe
voranzugehen hat, konnte bisher in der Gruppe noch keine
Einigkeit erzielt werden.

Die eine Position sagt: Treppen aufwärts geht er hinter, Treppen
abwärts vor der Dame, um sie im Falle eines Sturzes auffangen zu
können usw.

Eine Gegenmeinung hierzu ist, daß der Herr Treppen aufwärts aus
Gründen der Sittsamkeit vorzugehen hat, um nicht in Gefahr zu
geraten, der Dame unter den Rock zu blicken. Der Leser dieser
FAQ möge selbst entscheiden, welche Vor- bzw. Nachgehensweise
ihm einleuchtender erscheint."

Der gegenwärtige Meinungsstand kann nachgelesen werden in:

Message-ID:<dafa.1046805801.fsf@debian.jens.unfaehig.de>ff.
Message-ID:<2qgo5pFvllurU1@uni-berlin.de>ff.
Message-ID:<cpndaf$q0d$00$1@news.t-online.com>ff.


3.5 Bauch oder Po? Vorbeizwängen in engen Sitzreihen

Muss man sich in Theater, Konzertsaal, Kino, Oper usw. durch eine
Sitzreihe an bereits sitzenden Mitmenschen vorbeizwängen, so
wendet man diesen Menschen immer die eigene Gesichtsseite zu,
weil es nicht höflich wäre, ihnen den eigenen Hintern zu
präsentieren. In der Kirche machen es die meisten Menschen
umgekehrt, da dort die Blickrichtung dem Altar gelten sollte.
Allerdings vertrat Peter Bruells in

<m2isjx0ylc.fsf@rogue.ecce-terram.de>

durchaus überzeugend eine gegenteilige Ansicht: "Da gehe ich doch
lieber weiterhin davon aus, daß halbwegs zivilisierte Gottheiten
es verstehen, daß man seinen Mitmenschen nicht den Hintern ins
Gesichts drückt."


3.6 "Hatschi!" "Gesundheit" - Höflichkeit beim Niesen

Die Frage, wie man sich verhält, wenn eine anwesende Person
niesen muß, wurde wiederholt gestellt. Ignoriert man es? Wünscht
man 'Gesundheit'? Oder soll der Niesende sich entschuldigen?

In den Diskussionen hat sich folgendes Meinungsbild
herauskristallisiert:

An öffentlichen Plätzen (U-Bahn, Kaufhaus, Foyer) ignoriert man
es.

Bei eher offiziellen Zusammenkünften (Besprechung, Vortrag,
Restaurant) sollte der Niesende kurz "Entschuldigung!" sagen,
weil sich das Niesen ja störend ausgewirkt haben könnte.

Wer im privaten, lockeren Kreis "Gesundheit!" sagen möchte, mag
dies tun.

Torsten Gallus hat in <b01bpf$ski$05$1@news.t-online.com> die
Situation beim Niesen wie folgt charakterisiert:

|Niesen gilt als "Peinlichkeit". Darauf auch noch öffentlich
|hinzuweisen, würde die niesende Person brüskieren.

In <pan.2005.08.08.20.39.04.714843@mm-double.de> vertritt Maik
Hentsche durchaus überzeugend die Gegenposition:

|Aus meiner Sicht hat das "Gesundheit" eine Ablaßwirkung. Wer
|ein Niesen damit quittiert, drückt aus, daß er dem Niesenden
|seinen Faux pas verzeiht. Außerdem wirkt das "Gesundheit" für
|mich mitfühlend. Gesundheit wird im Allgemeinen als das höchste
|Gut oder zumindest als eines der höchsten Güter bewertet. Einem
|anderen etwas derartiges zu wünschen sollte somit mindestens so
|höflich sein wie der Wunsch nach einem guten Tag.

Drei 'Nies-Threads' können nachgelesen werden unter:

Message-ID: <q6610b.gp8.ln@mail.isogmbh.de>ff.
Message-ID: <bdhjrg$qbb$02$1@news.t-online.com>ff.
Message-ID: <pan.2005.08.08.14.44.38.235101@mm-double.de>ff.


3.7 Spaghetti essen

Gelegentlich kommt in der Gruppe die Frage auf, wie Spaghetti
korrekt gegessen werden. Nur mit der Gabel? Darf man einen Löffel
zur Hilfe nehmen? Oder ist es sogar erlaubt, sie mit Messer und
Gabel zu schneiden?

In Italien werden Spaghetti ausschließlich mit der Gabel
gegessen.

Renata Kussack in <1fosbri.1krrvax14iuttvN%r.kussack@snafu.de>:

|Das kann der Geübte, indem er Spaghetti durch Drehen am Tellerrand
|manierlich auf die Gabel befördert. Bei weniger Geübten ist das
|Ergebnis allerdings eher desaströs

Die Zuhilfenahme eines Löffels ist also ausschließlich für den
ungeübten Esser gedacht (etwa vergleichbar der Bereithaltung von
Messer und Gabel in einem Chinarestaurant).

Wird, wie außerhalb Italiens gelegentlich zu beobachten, zu
Spaghetti ein Löffel eingedeckt, so kann dieser auch benutzt
werden, wenn man sich ohne dessen Hilfe nicht sicher genug fühlt.

Die in Deutschland leider immer noch verbreitete Unsitte,
Spaghetti vor dem Verzehr kleinzuschneiden, ist nicht nur wenig
manierlich sondern auch vom ergonomischen Standpunkt aus
ungeschickt. Kleingeschnittene Spaghetti sind - egal ob mit Gabel
oder Löffel - viel schwieriger zu handhaben als lange.


3.8 Trinkgeld

Trinkgeld ist eine dem Bedienungsspersonal in Betrieben des
Hotel- und Gaststättengewerbes gewährte zusätzliche freiwillige
Vergütung. Aber auch in anderen Betrieben (Taxi, Friseur,
Spielbank) kann man mit dem Geben von Trinkgeld seine
Zufriedenheit mit der erbrachten Dienstleistung ausdrücken. Wenn
man mit der erbrachten Dienstleistung nicht zufrieden war,
braucht (und sollte) man selbstverständlich kein Trinkgeld geben.
Die Höhe des Trinkgelds ergibt sich aus der Höhe der für die
erbrachte Dienstleistung zu zahlenden Rechnung. Üblich sind in
Deutschland bis zu 10 % bzw. eine entsprechende Aufrundung des zu
zahlenden Rechnungsbetrages. Man sollte bei der Bemessung der
Trinkgeldhöhe eventuell daran denken, daß es in vielen
Restaurant- und Hotelbetrieben üblich ist, den Angestellten ein
im Verhältnis geringeres Grundgehalt zu zahlen, weil sie als im
Service Tätige zusätzliche Einnahmen durch Trinkgelder zu
erwarten haben.

Das Trinkgeld gibt man nach Erhalt der Rechnung. Entweder bittet
man den Dienstleistenden, den Rechnungsbetrag entsprechend
aufzurunden, oder man gibt das Trinkgeld nach Begleichen der
Rechnung bzw. läßt es auf dem Restauranttisch liegen.

Dem Inhaber oder Geschäftsführer eines Restaurants gibt man
üblicherweise kein Trinkgeld. Wenn man aber von den Angestellten
dieses Menschen zuvorkommend bedient worden ist, kann man ihm mit
einer entsprechenden Bemerkung (z. B.: "Für die Angestellten!")
ein Trinkgeld für diese geben, sollte er beispielsweise statt
ihrer abkassieren.

Will man auch dem Koch oder der Köchin bzw. den Köchen eines
Restaurants für ihre überdurchschnittliche Leistung mit einem
Trinkgeld danken, so muß man das dem Servicepersonal gegenüber
deutlich zum Ausdruck bringen, da es nur in einigen Restaurants
bzw. Hotels üblich ist, das Trinkgeld unter allen Angestellten
aufzuteilen.

Bevor man eine Reise ins Ausland unternimmt, sollte man auf
keinen Fall vergessen, sich vorher über die im jeweiligen
Reiseland üblichen Trinkgeldgewohnheiten sachkundig zu machen. So
erntet man in einigen Ländern beispielsweise totales
Unverständnis, wenn man um eine Aufrundung der Rechnung bittet.
In anderen Ländern wiederum ist das Bezahlen von Trinkgeld
geradezu Pflicht, weil die Angestellten ausschließlich von einer
extra zu bezahlenden "service charge" bezahlt werden. Schließlich
ist es in einigen "all inclusive resorts" verboten, Trinkgeld zu
zahlen. Dort sollte man auch nicht versuchen, es den Angestellten
aufzudrängen, weil man sie durch eine solche Handlungsweise
in echte Schwierigkeiten bringen könnte.

Auch Handwerkern oder Möbelpackern kann man ein Trinkgeld geben,
wenn man mit ihrer Leistung besonders zufrieden war. Ebenso
bietet man ihnen, wenn sie sich länger in der eigenen Wohnung/auf
dem eigenen Grundstück aufhalten, evtl. Erfrischungsgetränke oder
einen kleinen Imbiß an, wenn man mit ihrer Arbeit und ihrem
Auftreten zufrieden ist. Diese Form der Höflichkeit kann auch
pragmatische Gründe haben: Derartige Freundlichkeiten motivieren
den Handwerker eventuell, "auch kurz nach einer nicht
beauftragten Kleinigkeit zu schauen, ohne dies gleich zu
berechnen."
(Hans-Georg Bickel in <bcno0j$l2u7u$4@ID-108823.news.dfncis.de>)


3.9 Adelstitel gefällig? Anreden von Würdenträgern

Nachfolgend sind die wichtigsten Anredeformen aufgelistet:

Prinz (regierendes Haus) Königliche Hoheit
Herzog Durchlaucht
Fürst Durchlaucht
Graf Graf...
Baron Baron...
Freiherr Herr von.../ Baron...
Namensadel Herr von

Rektor (Universität) Magnifizenz/ Herr Professor
Dekan (Fakultät) Spectabilität/ Spectabilis/
Herr Professor
Professor Herr Professor
Doktor Herr Doktor...

Kardinal Eminenz

Ansonsten werden Amts- und Würdenträger ihrem Titel angesprochen
(Herr Bundeskanzler, Herr Abgeordneter, Herr Superintendent etc.)

Das Angebot, auf den Titel zu verzichten und sich mit Namen
anzureden kann bedenkenlos angenommen werden.

Haben beide Gesprächspartner einen Professoren- oder Doktortitel
so wird dieser bei der Anrede weggelassen.

Eine übersichtliche Zusammenstellung der gebräuchlichen Anreden
findet man auch unter:

http://www.dfroemberg.de/anredenutitel.pdf (Who's computer is this?)


3.10 Die elektronische Bewerbung

Immer mehr Arbeitgeber akzeptieren Bewerbungen in elektronischer
Form. In der Gruppe wurde intensiv die Frage diskutiert, wie eine
solche Bewerbung zweckmäßigerweise auszusehen hat.

Einigkeit besteht darin, daß es nicht empfehlenswert ist, seine
Bewerbungsunterlagen auf einer Website zu hinterlegen und per
E-Mail nur eine Kurzbewerbung mit Hinweis auf den URL zu senden.

Bei der Gestaltung einer Bewerbung per E-Mail sollte bedacht
werden, daß nach wie vor eine per Mail eingehende Bewerbung
üblicherweise ausgedruckt wird, besonders wenn der Bewerber in
die engere Wahl kommt. Auf eine ansprechende Gestaltung muß daher
auch bei einer elektronischen Bewerbung Wert gelegt werden.

Nach langer und intensiver Diskussion hat sich in der Gruppe als
Konsens herauskristallisiert, daß die Erstellung und der Versand
der Bewerbungsmappe (einschließlich Anschreiben) in _einer_
PDF-Datei die größten Chancen hat, beim Empfänger Gefallen zu
finden.

Das PDF-Format dürfte - zumindest im Bereich des Personalwesens -
plattformübergreifend das verbreitetste sein.

Nicht empfehlenswert ist der Versand einer Bewerbung in einem
proprietären Format (etwa als Word-Datei).

Zwei Threads zum Thema:

Message-ID:<ec7c0q$cue$1@newsreader2.utanet.at>ff.
Message-ID:<ehinjp$ai9$1@newsreader2.utanet.at>ff.


3.11 Andere Länder - andere Sitten

Thomas Grüske hat in <VA.00000c04.1371df7b@corpserve.de> einige
Literaturhinweise zum guten Benehmen in den USA gepostet.
Er empfiehlt:

|The Rituals of Dinner: The Origins, Evolution, Eccentricities, and
|Meaning of Table Manners by Margaret Visser. New York: Penguin Books,
|1991.
|
|Eleanor Roosevelt's Book of Common Sense Etiquette by Eleanor
|Roosevelt. New York: The Macmillan Company, 1962.
|
|Miss Manners' Guide for the Turn-of-the-Millennium by Judith Martin.
|Fireside, 1990.
|
|Miss Manners' Guide to Excruciatingly Correct Behavior by Judith
|Martin. Budget Book Service, 1997.
|
|Elements of Etiquette: A Guide to Table Manners in an Imperfect World
|by Craig Claiborne. New York: William Morrow & Company, 1992.


4. Links

http://www.sekretaerinnen.com/formen/formen.html (Who's computer is this?)

Zahlreiche Hinweise, auch zu Umgangsformen im Ausland.

http://www.businessgerman.com/business-knigge/ (Who's computer is this?)

25 Tipps für den Umgang im Geschäftsleben in Deutschland


5. Literatur

Die gedruckte Literatur zum Thema ist unüberschaubar. In der
Gruppe erwähnt wurden bisher folgende Werke:

Asserate, Asfa-Wossen, Manieren, Eichborn, Frankfurt/M., 2003

Schäfer-Elmayer, Thomas, Gutes Benehmen gefragt, Wien, 1991


6. Dank

Dank gebührt allen Postern, die durch ihre Beiträge diese FAQ
möglich gemacht und die durch ihre konstruktive Kritik und ihre
Hinweise zu deren Verbesserung beitragen.
--
Die de.alt.soc.knigge-FAQ
http://knigge.md-d.org (Who's computer is this?)



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