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From:  Ralf Döblitz <faq@netzverwaltung.net>
Newsgroups:  de.admin.news.regeln, de.admin.infos
Subject:  <2013-06-09> FAQ: Entscheidungsfindung bei mehreren Moeglichkeiten
Supersedes:  <de-admin-infos/entscheidung/20141113-1@msgid.krell.zikzak.de>
Followup-To:  de.admin.news.regeln
Date:  19 Nov 2014 23:00:24 -0000
Organization:  Moderation von de.admin.infos
Lines:  493
Sender:  de-admin-infos@spamfence.net
Approved:  de-admin-infos@spamfence.net
Expires:  Fri, 20 Feb 2015 23:00:23 +0000
Message-ID:  <de-admin-infos/entscheidung/20141120-1@msgid.krell.zikzak.de>
Mime-Version:  1.0
Content-Type:  text/plain; charset=iso-8859-1
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Xref:  news2.ip-mobilphone.net de.admin.news.regeln:42780 de.admin.infos:7087


Archive-name: de-admin/entscheidung
Posting-frequency: weekly
Last-modified: 2013-06-09
URL: http://www.kirchwitz.de/~amk/dai/entscheidung (Who's computer is this?)

FAQ:
====
Entscheidungsfindung bei mehreren einander ausschliessenden Optionen
====================================================================


1. Worum geht es?
=================

In den Gruppen der Hierarchie de.admin.news.* werden Fragen über die
Gestaltung des de-Usenets diskutiert, insbesondere die Einrichtung
neuer Gruppen. Dabei kommt es immer wieder zu Abstimmungen.

Solange nur eine Option zur Diskussion steht, ist die Abstimmung
einfach durchzuführen. Die Abstimmungsfrage lautet "Bist Du mit dem
Vorschlag xyz einverstanden?", und dafür kann man mit Ja, Nein oder
Enthaltung stimmen. Wenn der Vorschlag die nötige Mehrheit erreicht
(derzeit: mindestens 50 Ja-Stimmen, doppelt so viele Ja-Stimmen wie
Nein-Stimmen), so gilt er als angenommen.

Problematisch - und davon handelt dieser Text - wird es, wenn mehrere
Varianten zur Diskussion stehen, die einander ausschliessen.
Beispielsweise könnte eine Gruppe in verschiedenen Hierarchien
sinnvoll eingeordnet werden, oder es sind mehrere Namen für eine
Gruppe denkbar.

Dieser Text richtet sich an Proponenten, die sich in einer solchen
Position befinden. Er gibt nicht Auskunft über grundlegende Fragen des
Gruppeneinrichtungsverfahrens, dazu gibt es bereits verschiedene Texte
in de.admin.infos.

Ich verwende als Beispiel im folgenden eine fiktive Gruppe, in der es
um Smalltalk aller Art gehen soll, und bei der als Benennungsvorschlag
de.talk.bla und de.talk.fasel zur Diskussion stehen. Fast alles des
Gesagten gilt aber mutatis mutandis auch, wenn die hierarchische
Einordnung, die Tagline, die Charta, der Moderationsstatus oder der
Name des Moderators nicht klar sind.


2. Übersicht: welche Möglichkeiten gibt es?
===========================================

Es gibt im wesentlichen vier Wege, bei einander ausschliessenden
Varianten zu einer Entscheidung zu kommen. Alle haben ihre Vor- und
Nachteile.

- Entscheidung per Akklamation/Konsens in der Diskussion (->3)

- Entscheidung durch Machtwort des Proponenten (->4)

- Entscheidung durch Konsultativabstimmung ("Strawpoll") vor
der eigentlichen Abstimmung über die Einrichtung (->5)

- Entscheidung durch kombiniertes Voting in der Abstimmung (->6/7)

Selbstverständlich können auch mehrere dieser Wege in einem einzigen
Verfahren vorkommen. So können von sieben Namensvorschlägen in der
Diskussion drei und in einem Strawpoll weitere zwei ausgeschieden
werden, so dass im CfV in einem kombinierten Voting noch zwei
Varianten zur Entscheidung anstehen.


3. Entscheidung per Akklamation/Konsens in der Diskussion
=========================================================

Nehmen wir an, Du hast die Einrichtung von de.talk.bla in einem
formellen Diskussionsaufruf (RfD) vorgeschlagen. Nehmen wir weiter an,
dass jemand schreibt "de.talk.fasel" wäre aber viel besser. Auch Dir
gefällt der Name nicht schlecht, und viele schreiben, dass sie
ebenfalls de.talk.fasel besser finden würden. Aber niemand verteidigt
de.talk.bla.

In diesem Fall: gratuliere! Du hast kein Problem, da es sich bereits
in der Diskussion in Minne aufgelöst hat. Bringe de.talk.fasel zur
Abstimmung, und alle sind zufrieden.

Der einzige Nachteil dieser Vorgehensweise: sie funktioniert oft
nicht, da der Konsens nicht immer gegeben ist.


4. Entscheidung durch Machtwort des Proponenten
===============================================

Der Proponent entscheidet, was zur Abstimmung kommt. Wenn Du also
de.talk.bla im RfD zur Diskussion stellst, ein anderer aber
de.talk.fasel bevorzugt, dann kannst Du auch ganz einfach an Deinem
eigenen Vorschlag festhalten und trotzdem de.talk.bla zur Abstimmung
bringen.

Dieses Vorgehen hat den grossen Vorteil, dass es unschlagbar einfach
ist und das Verfahren nicht verzögert. Trotzdem kann das Vorgehen
nicht uneingeschränkt empfohlen werden. Immerhin riskierst Du als
Proponent einige Nein-Stimmen von Leuten, die de.talk.fasel für
richtig und de.talk.bla für falsch halten.

Es sind vor allem zwei Dinge, die Du als Proponent benötigst, wenn Du
Alternativvorschläge aus der Diskussion nicht berücksichtigst: gute
Argumente und Takt.

Wenn de.talk.bla wirklich so viel besser ist als de.talk.fasel, dann
kannst Du das sicher auch begründen. Versuche, dabei möglichst
unvoreingenommen zu sein und die Argumente der anderen Seite ernst zu
nehmen. Und bringe Deine Argumente taktvoll vor. Wenn Du diese
Vorschläge beherzigst, wirst Du zwar Protest-Neins nicht völlig
verhindern, aber doch minimieren können.

Das Gesagte gilt übrigens für alle Vorschläge, die in der Diskussion
geäussert werden, auch jenen zu Kurzbeschreibung und Charta.


5. Entscheidung durch Konsultativabstimmung ("Strawpoll")
=========================================================

Recht häufig ist der Fall, dass einige Diskussionsteilnehmer sich für
de.talk.bla aussprechen, andere für de.talk.fasel, und beide haben
Argumente, die Hand und Fuss haben. In einer Diskussion ist es oft
nicht so leicht festzustellen, wer denn nun in der Mehrheit ist - und
die Gefahr, einfach den lautesten Schreihälsen zu folgen, ist nicht
von der Hand zu weisen.

In solchen Fällen schafft eine Konsultativabstimmung, im Usenet
normalerweise "Strawpoll" genannt, Abhilfe. Ein Strawpoll dient dem
Proponenten als Entscheidungshilfe, ist also nicht verbindlich.
Trotzdem ist es sehr zu empfehlen, einem Strawpollergebnis zu folgen,
wenn man sich nicht Protest einhandeln will. Und warum sollte man
einen Strawpoll durchführen, wenn man nicht bereit ist, das Ergebnis
zu akzeptieren?

Ausnahmen gibt es natürlich immer: wenn das Strawpoll-Result sehr
knapp ist, wird man sich dreimal überlegen müssen, wie man weiter
vorgehen soll. Und wenn der Strawpoll kompliziert ist (ein halbes
Dutzend Optionen, die zum Teil voneinander abhängig sind), dann kann
man auch nicht immer im voraus sagen, was man bei welchem Ergebnis zu
tun gedenkt.

Für einen Strawpoll gibt es keine Formvorschriften. Im Interesse der
Fairness seien aber folgende Punkte empfohlen:

- Der Strawpollaufruf sollte, unter einem neuen Subject, in jenen
Gruppen erscheinen, in denen auch die übrigen Ankündigungen (RfD,
CfV) zu diesem Verfahren erschienen sind und erscheinen werden.

- Stimmabgaben zum Strawpoll sollten per E-Mail geschehen, als Frist
ist eine bis zwei Wochen üblich.

- Zur Kontrolle sollten die abgegebenen Stimmen mit E-Mail-Adresse und
Realnamen der Abstimmenden im Strawpoll-Result veröffentlicht
werden.


6. Kombinierte Votings gemäss den Einrichtungsregeln
====================================================

Allen bisherigen Vorgehensweisen gemeinsam ist, dass bei der
endgültigen Abstimmung über die Gruppeneinrichtung (also im CfV) nur
ein Vorschlag zur Abstimmung kommt. Wenn alle bisher genannten
Vorgehensweisen aus irgendeinem Grund unbefriedigend scheinen oder zu
keinem Ergebnis führen, so besteht die Möglichkeit, die Frage im CfV
selbst zu entscheiden: durch ein kombiniertes Voting.

Eine Warnung vorweg: kombinierte Votings können hässlich kompliziert
werden. Das sieht man auch, dass sie viel schwieriger zu erklären sind
als die bisherigen Varianten.

Allgemein haben kombinierte Votings den Vorteil, dass die strittige
Frage gemeinsam mit der Einrichtung entschieden wird, und den
Nachteil, dass der Wahlschein leicht unübersichtlich wird. Bei
mehr als zwei Optionen, insbesondere bei komplizierten Abhängigkeiten,
ist ein Strawpoll meist die bessere Lösung.

a) Die Aussage der Einrichtungsregeln über kombinierte Votings
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Die Einrichtungsregeln sprechen in Punkt 9 von kombinierten Votings:

Ein CfV kann mehrere Gruppen zur Auswahl anbieten, von denen
höchstens eine eingerichtet werden soll ("kombiniertes Voting").
Dabei wird über die Einrichtung jeder einzelnen Gruppe gemäß den
obigen Regeln abgestimmt.

In einem weiteren Abstimmungsblock innerhalb desselben CfV findet
zusätzlich ein Stichentscheid zwischen all diesen Gruppen statt.
Falls in den Einrichtungsfragen mehr als eine Gruppe angenommen
wird, so wird davon einzig diejenige eingerichtet, welche im
Stichentscheid das beste Verhältnis Zustimmung : Ablehnung aufweist.

b) Wahlschein für kombinierte Votings
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Ein Wahlschein, der Punkt 9 der Einrichtungsregeln entspricht sieht
bei zwei zur Auswahl stehenden Möglichkeiten folgendermassen aus:

<Wahlschein>

[JA/NEIN/ENTHALTUNG] Einrichtung von de.talk.bla
[JA/NEIN/ENTHALTUNG] Einrichtung von de.talk.fasel

Für den Fall, dass beide Gruppen die nötige Mehrheit erreichen soll
folgende Gruppe eingerichtet werden (höchstens eine Gruppe ankreuzen):

[ ] de.talk.bla
[ ] de.talk.fasel

</Wahlschein>

Es werden also eigentlich *drei* Fragen gestellt:
1. Findest Du die Einrichtung von de.talk.bla besser als den Status quo?
2. Findest Du die Einrichtung von de.talk.fasel besser als den Status quo?
3. Findest Du de.talk.bla oder de.talk.fasel besser?

c) Stärken und Schwächen des Verfahrens
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Das in den Regeln vorgesehene Verfahren erfordert sorgfältiges
Mitdenken. Die Erfahrung damit hat gezeigt, dass es manchen Wählern
schwerfällt, zwischen der ersten und der zweiten Stimme zu
unterscheiden. Darum nochmal zur Verdeutlichung: Im ersten Frageblock
entscheidet der Wähler für jede vorgeschlagene Option einzeln, ob sie
ihm besser gefällt als der Status quo. Im zweiten Frageblock
vergleicht der Wähler die Optionen untereinander und hebt jene hervor,
die ihm besonders zusagen.

Dieses Verfahren erlaubt es jedem, seiner Meinung differenziert Ausdruck
zu verleihen. Wer generell für oder generell gegen die Gruppe ist, kann
trotzdem über die Gruppenattribute mitbestimmen. Die Stichfrage
garantiert, dass man auch "ich finde beides gut, aber de.talk.bla noch
etwas besser" oder umgekehrt "ich finde beides schlecht, aber
de.talk.fasel noch etwas schlechter" sagen kann.

Gleichzeitig garantiert das Verfahren, dass nur eine Gruppe eingerichtet
wird, die mit genau den Attributen, mit denen sie eingerichtet wird, die
qualifizierte Mehrheit erreicht hat. In Punkt 7 dieser FAQ zeige ich,
dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass ein Verfahren diese
Kriterien erfüllt.

Leider wird der Wahlschein, wenn nicht nur zwei, sondern drei oder mehr
Möglichkeiten zur Auswahl stehen, schnell unübersichtlich.

7. Weitere Möglichkeiten kombinierter Votings
=============================================

Das kombinierte Voting mit Stichfrage ist die einzige Art, die von den
Einrichtungsregeln vorgesehen ist, eine strittige Frage über ein
Gruppenattribut erst im CfV zu entscheiden. Es sind aber andere Verfahren
denkbar, die praktiziert wurden und zum Teil noch werden. Eines dieser
Verfahren stand früher auch in den Einrichtungsregeln, bevor es durch das
jetzige Verfahren ersetzt worden ist.

Im folgenden wird es darum gehen, diese anderen Verfahren vorzustellen und
zu zeigen, ob und in welchen Fällen sie allenfalls sinnvoll sind.

Generell gilt für alle diese Verfahren: da sie so nicht in den
Einrichtungsregeln stehen, ist in jedem Fall eine entsprechende Regelung im
CfV nötig. Wenn die Moderation von de.admin.news.announce der Ansicht ist,
die vom Proponenten vorgesehenen "weiteren Regeln" würden die Fairness der
Abstimmung gefährden, dann wird sie das Posten des CfV verweigern, solange
er diese Regeln enthält.

a) Generelle Frage nach der Einrichtung der Gruppe
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Früher sahen die Einrichtungsregeln bei einem kombinierten Voting vor, dass
zuerst generell die Frage nach der Einrichtung der Gruppe gestellt wurde
und in einem zweiten Schritt die Frage nach den strittigen Attributen. Der
Wahlschein sieht in diesem Fall so aus:

<Wahlschein>

[JA/NEIN/ENTHALTUNG] Einrichtung einer blafasel-Gruppe

Wenn die Gruppe eingerichtet wird, soll sie folgenden Namen haben:

[JA/NEIN/ENTHALTUNG] de.talk.bla
[JA/NEIN/ENTHALTUNG] de.talk.fasel

Bei Annahme der generellen Abstimmung wird die Gruppe unter demjenigen
Namen eingerichtet, der das bessere Verhältnis (alternativ: die bessere
Differenz) von Ja- und Nein-Stimmen hat.

</Wahlschein>

Dieses Verfahren hat den Nachteil, dass Leute, die der Meinung sind
"Einrichtung der Gruppe ja, aber _nur_ wenn sie de.talk.fasel heisst,
_keinesfalls_ aber, wenn sie de.talk.bla heisst" nicht wissen, wie
sie sich zuer ersten Frage - Einrichtung der Gruppe als solche -
äussern sollen. Stimmen sie mit Ja, so laufen sie Gefahr, einer Gruppe
zur Einrichtung zu verhelfen, die sie nicht wollen; stimmen sie mit
Nein, so verhindern sie vielleicht die Gruppe, die sie gern hätten.

Weiter hat dieses Verfahren den Nachteil, dass möglicherweise eine Gruppe
eingerichtet wird

Dieses Verfahren ist daher normalerweise nicht zu empfehlen. Es gibt
allerdings einen Fall, wo dieses Verfahren durchaus möglich und üblich
ist, nämlich die Einrichtung einer moderierten Gruppe, wenn mehrere
Kandidaturen für die Moderation vorliegen:

<Wahlschein>

[J/N/E] Einrichtung von de.talk.fasel (moderiert)

[J/N/E] Moderation durch Albert Alleinherrscher
[J/N/E] Moderation durch Tobias Troll, Erwin Elch und Detlef Dau gemeinsam
[J/N/E] Moderation durch Paul Poweruser, Benedikt Backup als Stellvertreter

Bei Annahme der Gruppe gilt diejenige Moderation als gewählt, bei der das
Verhältnis von Ja- zu Nein-Stimmen am besten ist.

</Wahlschein>

Zugegeben: der Nachteil, dass sich bestimmte Meinungen nicht differenziert
zum Ausdruck bringen lassen, existiert auch hier. Die Nachteile fallen hier
aber für viele Netizens weniger ins Gewicht, da die Moderation dasjenige
Attribut ist, das inhaltlich die Gruppe am wenigsten stark definiert. Kommt
dazu, dass die Frage der Moderation die einzige ist, bei der es sich
aufdrängt, wirklich alle in der Diskussion gemachten Vorschläge (will
sagen: geäusserten Kandidaturabsichten) im CfV zu berücksichtigen und
niemanden durch Machtwort des Proponenten auszuschliessen. Dann aber hat
das hier vorgestellte Verfahren gegenüber dem Stichfragen-Verfahren den
Vorteil, dass es auch bei drei und mehr Alternativen noch übersichtlich
bleibt.

b) Verzicht auf die Stichfrage
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Vor der Einführung des Stichfragen-Verfahrens waren gelegentlich
Wahlscheine folgender Art zu sehen:

<Wahlschein>

[JA/NEIN/ENTHALTUNG] Einrichtung von de.talk.bla
[JA/NEIN/ENTHALTUNG] Einrichtung von de.talk.fasel

Sollten beide Gruppen die qualifizierte Mehrheit erreichen, so wird nur
diejenige eingerichtet, die das bessere Verhältnis (alternativ: die höhere
Differenz) von Ja- zu Nein-Stimmen hat.

</Wahlschein>

Nachteil dieser Art der Auswertung: wer die Gruppe in jedem Fall
einrichten möchte, wird zweimal Ja stimmen und nicht auf die
Namengebung Einfluss haben können, oder er wird ein "taktisches" Nein
oder eine Enthaltung abgeben müssen zu einem Vorschlag, zu dem er in
einem einfachen Voting Ja gesagt hätte. Ebenso kann einer, der die
Gruppe verhindern will, nicht sagen, welche Namengebung er als das
"kleinere Übel" betrachtet.

Wegen dieser Nachteile ist das Verfahren nicht zu empfehlen. Das
Standardverfahren mit Stichfrage erlaubt es den Abstimmenden, ihre
Meinung ohne "taktische" Stimmabgaben adäquat auszudrücken.

c) Kaskadierung der Vorschläge
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

In demokratischen Systemen ist es eine bewährte Methode, von mehreren
Vorschlägen den weitergehenden zuerst abzustimmen und den weniger weit
gehenden nur dann zur Abstimmung zu bringen, wenn der weitergehende
abgelehnt wurde. Ähnliches kann im Usenet in einem einzigen CfV
geschehen, allerdings eignen sich nicht alle Fragen dazu, auf diese
Art und Weise entschieden zu werden. Dies deswegen, weil sich oft
nicht eruieren lässt, welcher Vorschlag denn der weitergehende sei.

Trotzdem, der Fall ist vorstellbar. Nehmen wir ein anderes Beispiel.
Jemand möchte de.talk.bla als *moderierte* Gruppe, aber, falls dies
nicht klappt, lieber noch unmoderiert als gar nicht. Er wird
folgendermassen abstimmen lassen:

<Wahlschein>

[JA/NEIN/ENTHALTUNG] Einrichtung von de.talk.bla (moderiert)

Falls diese Gruppe nicht angenommen wird, wird folgende
Abstimmungsfrage ausgewertet - wird de.talk.bla (moderiert)
angenommen, ist die folgende Frage bedeutungslos:

[JA/NEIN/ENTHALTUNG] Einrichtung von de.talk.bla (unmoderiert)

</Wahlschein>

Selbstverständlich wäre eine andere Art der Abstimmung denkbar:
Einrichtung unmoderiert und Statusänderung als Abstimmungsfragen. Dies
hätte aber den Nachteil, dass jemand, der de.talk.bla nur moderiert
überhaupt für sinnvoll hält, nicht für die Einrichtung stimmen kann.

Echte Vorteile gegenüber dem Standardverfahren mit Stichfrage hat eine
Kaskadierung bei einander ausschliessenden Möglichkeiten nicht. Jedoch
ist eine Kaskadierung in anderen Situationen oft sinnvoll. Dann nämlich,
wenn mehrere Abstimmungsfragen sich nicht gegenseitig ausschliessen,
sondern inhaltlich so zusammenhängen, so dass die zweite nur dann
sinnvollerweise umgesetzt wird, wenn die erste angenommen worden ist.


8. Stichfrage bei drei und mehr Alternativvorschlägen
=====================================================

Da der Wahlschein Gefahr läuft, auch für alteingesessene Netizens
unübersichtlich zu werden, ist ein kombiniertes Voting mit drei oder mehr
einander ausschliessenden Vorschlägen nicht empfehlenswert (Ausnahme:
mehrere Kandidaturen für die Moderation einer moderierten Gruppe, siehe
oben). Die Alternativen sollten dann vor dem CfV durch Konsens, Machtwort
des Proponenten oder einen Strawpoll auf höchstens zwei reduziert werden.

Die FAQ könnte daher hier zu Ende sein. Wenn aber jemand trotzdem nicht
darauf verzichten möchte, ein kombiniertes Voting mit drei oder mehr
Alternativen durchzuführen, so seien ihm hier ein paar Anregungen zum
Nachdenken auf den Weg gegeben. Wenn diese Anregungen abschreckend wirken,
haben sie ihr Ziel erreicht...

Es sind mehrere Verfahren denkbar. Wenn die Alternativen daher rühren, dass
je zwei Gruppennamen, zwei Kurzbeschreibungen, zwei Chartas, die Gruppe als
moderiert oder unmoderiert vorgeschlagen sind, dann kann man über jedes
einzelne Gruppenattribut eine Stichfrage machen:

<Wahlschein>

[J/N/E] Einrichtung von de.talk.bla (moderiert), Tagline "Blubb."
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.bla (unmoderiert), Tagline "Blubb."
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.fasel (moderiert), Tagline "Blubb."
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.fasel (unmoderiert), Tagline "Blubb."
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.bla (moderiert), Tagline "Laber."
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.bla (unmoderiert), Tagline "Laber."
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.fasel (moderiert), Tagline "Laber."
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.fasel (unmoderiert), Tagline "Laber."

Für den Fall, dass mehr als eine Gruppe die nötige Mehrheit erreicht,
bevorzuge ich folgende Attribute (jeweils eines ankreuzen):

Gruppenname:
[ ] de.talk.bla
[ ] de.talk.fasel

Moderationsstatus:
[ ] moderiert
[ ] unmoderiert

Tagline:
[ ] "Blubb."
[ ] "Laber."

</Wahlschein>

Die Alternativen können aber auch daher rühren, dass für ein Attribut drei
oder mehr Vorschläge zur Diskussion stehen. Dann ist ein einfaches
Ankreuzen nicht mehr befriedigend, da damit die Präferenzen innerhalb der
Vorschläge nicht mehr eindeutig zum Ausdruck gebracht werden können. Hier
bietet es sich daher an, die Abstimmenden die Vorschläge gemäss ihrer
Präferenz ordnen zu lassen:

<Wahlschein>

[J/N/E] Einrichtung von de.talk.bla
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.laber
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.fasel
[J/N/E] Einrichtung von de.talk.blubb

Für den Fall, dass meha als ein Vorschlag die nötige Mehrheit erreicht,
bevorzuge ich die Vorschläge in folgernder Reihenfolge (in die Klammer die
Zahlen von 1 bis 4 schreiben, wobei 1 beim bevorzugten, 4 beim am wenigsten
genehmen Vorschlag steht):

[ ] de.talk.bla
[ ] de.talk.laber
[ ] de.talk.fasel
[ ] de.talk.blubb

</Wahlschein>

9. Schlussbemerkungen
=====================

Die Entscheidung darüber, wie genau vorgegangen wird, liegt bei den
Proponenten bzw. (in Fragen der Regelkonformität von kombinierten
Votings) bei der Moderation von de.admin.news.announce. Je nach
Ausgangslage ist der eine oder andere Weg sinnvoller. Dieser Text kann
und will nicht jede vorstellbare Konstellation abdecken, aber es ist
zu hoffen, dass die hier gemachten Vorschläge dennoch auch in
komplizierteren Fällen sinngemäss Anwendung finden können und auf
diese Art und Weise hilfreich sind.

Diskussion über diesen Text bitte ausschliesslich in
de.admin.news.regeln (Followup-To ist gesetzt).

Ich danke Bernd Gramlich, Wolfgang Janssen, Andreas M. Kirchwitz, Wolfgang
Kopp, Stephan Manske, Olaf Schneider und anderen Mitdiskutanten in
de.admin.news.regeln für Hinweise zu früheren Versionen dieses Textes.

Autor: Adrian Suter
derzeitiger Maintainer: Ralf Döblitz



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